Freitag, 4. März 2011

Picton, Kaikoura, Kaiapoi, Akaroa, Lake Coleridge

Blog 6 – Picton, Kaikoura, Kaiapoi, Akaroa, Lake Coleridge
Am 28.2. haben wir mit der Bluebridge Fähre von Wellington nach Picton auf die Südinsel übergesetzt. Nach einer sehr windigen Nacht und einem kalten Morgen scheint bald wieder die Sonne und noch vor der Ankunft in Picton wird es Zeit wieder Sonnenschutz aufzutragen. In der Cook Strait ist das Meer nicht stürmisch und durch den tiefblauen Queen Charlotte Sound gleiten wir Picton entgegen. Das gepflegte kleine Städtchen hat eine sehr schöne Uferpromenade und das Flanieren macht richtig Freude. Die Wetterprognose für den von uns geplanten Abel Tasman National Park entspricht für diese Woche nicht unseren Erwartungen. Wir fahren daher Richtung Blenheim und erfreuen uns an den kilometerlangen gepflegten saftig grünen Weingärten, die von mit gelbem, sehr trockenem Gras bewachsenen Hügeln begleitet werden.
Der Lake Grassmere leuchtet in Blau und in Rosa. Hier wird Meerwasser verdampft und Salz produziert. Die Landschaft ist steppenartig trocken, abgeerntete Getreidefelder erkennt man nur an den Türmchen aus Strohballen. Die Stoppeln sind genauso gelb, wie das Gras der Hügel. Ganz wenige Schafe und Rinder sind zu sehen und nur mehr einige versprengte Weinkulturen in saftigem Grün. Flott geht es Richtung Kaikoura. Die Straße führt fast ausschließlich direkt die Küste entlang, parallel zur Bahnlinie nach Christchurch. Bei Ohau Point treffen wir auf die erste Pelzrobben Kolonie, praktischerweise direkt auf den Felsen beim Lookout.
Kaikoura ist einer der Brennpunkte des Tourismus auf der Südinsel. Nirgends auf der Welt leben Wale so nahe an der Küste. Wir buchen um 12:30 eine Whale Watching Tour und haben Glück. Gleich bei der in einer halben Stunde startenden Tour, sind noch Plätze frei. Und wir haben nochmals viel Glück. Wir können insgesamt 4 Spermwale jeweils minutenlang beobachten. Sie sind ca. 18 m lang und ihr Rücken ist zu 2/3 zusehen. Jedes Mal wenn sie atmen, stoßen sie eine Wasserfontäne aus, dadurch sind sie auch weithin sicht- und ortbar. Nachdem sie 5 bis 10 Minuten an der Wasser-oberfläche waren, machen Sie einen Buckel und schon schwingt die gigantische Schwanzflosse (Fluke) aus dem Wasser um gleich darauf mit Schwung wieder einzutauchen. Die Wale tauchen 40 Minuten lang bis zu 2.500 Meter tief und brauchen pro Tag ca 2.000kg Nahrung (Grill und Fische). Der Spermwal hat im Kopf ca. 2.300 kg Öl gespeichert, das er auch zur Regulierung seiner Körpertemperatur verwendet. Der Walfang wurde hier 1964 bereits eingestellt. Es war faszinierend diese Giganten der Meere aus nächster Nähe zu sehen. Als Draufgabe spielte auch noch eine sehr große Gruppe von Dusky Dolphins (dunkel hell gemusterte)  im Wasser. Einige Tiere tauchten aus dem Wasser hoch, drehten sich seitwärts oder klatschen mit dem Rücken zuerst wieder ins Wasser. Auch ein Blauhai war zu sehen. Auf dem Rückweg zum Hafen sahen wir dann auch noch Albatrosse, die Giganten der Lüfte mit mehr als 3 Meter Flügelspannweite. Heute hat sich jeder NZD wirklich mehrfach gelohnt, zumal auch das Wetter wieder mitgespielt hat. Bei etwas rauerer See, wäre ich wahrscheinlich seekrank geworden, da das Boot sehr schnell über die Wellen springt.
Während wir auf den Bus warteten, der uns zum Hafen brachte, waren um 12:51 Uhr zwei Schweigeminuten für die derzeit über 160 Toten des Erdbebens, das vor genau einer Woche um diese Zeit Christchurch erschüttert hat. Auch alle Kirchenglocken des Landes läuteten.
Am Morgen des 2.3. hat mir der sehr freundliche Herr im Campingplatzbüro geholfen das Telefonwertkartenrätsel zu lösen. Die wirklich wichtige Information ist auf der Karte so klein gedruckt, dass man es mit der besten Lesebrille kaum schafft, das Geheimnis zu lüften. Und die aufgedruckte Anleitung ist völliger Schrott. Die erste Verwendung dieser Wertkarte hat gleich eine eher unerfreuliche Überraschung gebracht. Während man mit dieser Karte nach Deutschland angeblich um 1,9 Cent pro Minute telefonieren kann, knöpfen sie einem für das Telefonat nach Österreich 55 Cent, also fast das Dreißigfache ab.
Unsere Reise in Süden geht weiter die schöne Küste entlang und bald ist wieder eine längere Pause angesagt. Wir sehen zwei Boote, von denen Leute, mit Schwimmwesten ausgerüstet, nach Ertönen eines Hupsignals ins Wasser springen um mit den Delphinen zu schwimmen. Die Delphine sind sehr gut gelaunt und machen verschiedenste Rollen und Saltos bevor sie wieder eintauchen. Es ist herrlich ihnen zu zusehen. Es handelt sich wieder um Husky Delphine, die eine schöne Körperzeichnung aufweisen. Der Duft der uns dabei in die Nase steigt und ein immer wieder hörbares Schnauben bestätigten sich bald, als auf den Felsen lagernde Pelzrobben.
Die Straße führt dann wieder ins Binnenland und schlängelt sich zwischen der Hawkswood Range und der Kaikoura Range durch. Bei Cheviot erreichen wir wieder das Meer und in der extrem windigen Gore Bay ist eine kleine Jause fällig. Hier findet sich auch eine beeindruckende Erosionssteilfläche, die entfernt an den Bryce Canyon in den USA erinnert. Bei sehr starkem Seitenwind hoffen wir, dass es uns nicht von der Straße weht. Die Sogwirkung der sehr schnell fahrenden LKW’s ist gewaltig. Im Bereich des Hurunui Mouth (Mündung des gleichnamigen Flusses) wirbelt der Wind derartig viel Staub auf, dass wir den Eindruck haben in einen Sandsturm geraten zu sein.
In Kaiapoi treffen wir am Abend die Tochter (Carmen) von Bekannten aus dem Lesachtal, die hier seit November auf einer Gemüsefarm arbeitet. Sie ist noch sehr geschockt vom Erdbeben, und nachträglich sehr froh, dass sie am Tag des Bebens nicht frei hatte. Sie hat mit ihrer Freundin (Romina) viel Freizeit in Christchurch verbracht, das nur ca. 15 km entfernt ist. Wir verplaudern einen netten Abend und das Mischmasch von Lesachtaler Dialekt und englischen Wörtern klingt oft sehr lustig. Carmen und Romina wohnen in einem großen - anfangs ganz leeren  - Holzhaus, das ihnen die Nachbarn flugs möbliert und mit Geschirr ausgestattet  haben. Sogar einen Fernseher und einen DVD-Player haben sie zur Verfügung. Das ungesicherte WLAN der Nachbarn steht ihnen auch zur Verfügung.
An Christchurch vorbei fahrend, besuchen wir nun die Banks Peninsula. Diese Halbinsel ist von wilder Schönheit, fast gebirgig und sehr trocken. Größtenteils ganz einsam und sehr dünn besiedelt. Selbst Schafe und Rinder gibt es hier nur in geringer Anzahl. Wenig Baumbewuchs und auch nur ganz wenig Busch sind hier zu sehen. Von der Diamond Bay blicken wir auf den Hafen von Littleton. An der Ostseite der Halbinsel reiht sich hier Bucht an Bucht. Allerdings ist dazwischen immer ein Bergrücken zu überwinden. Weil wir so gerne Runden fahren, landen wir auf einer abenteuerlich schmalen Schotterstraße, ohne Wende- oder Ausweichmöglichkeit. Für Campervans lt. gelber Tafel nicht geeignet. Wir hatten Glück und nur 2 Mal Gegenverkehr und das an Stellen, wo es sich gerade ausging aneinander vorbeizufahren. Am Abend erreichten wir über die sehr aussichtsreiche Summit Road, Akaroa im gleichnamigen Habour. Ein nobler Ort  von Franzosen gegründet und mit vielen historischen Gebäuden. Ein gemütlicher Rundgang wird auf den nächsten Tag verschoben. Der Magen knurrt und wir müssen auf einen Campingplatz weil man hier nirgends overnight stehen bleiben darf.
Der nächste Morgen begrüßt uns mit stark bedecktem Himmel und ein paar Regentropfen. Es dauert nicht lange und schon strahlt die Sonne wieder vom Himmel und es ist wieder sehr warm. Im Hafen ankert ein großes Kreuzfahrtschiff und fleißig bringen die Boote Passagiere an Land. Der kleine Ort hat 8 Kirchen und die französischen Straßenbezeichnungen gehen auf die ersten Siedler zurück. Nach dem wir die historischen Stätten und Buchten abgeklappert haben ist der Lake Colridge unser nächstes Ziel. Dazu müssen wir die sehr breiten Canterbury Pleins durchqueren. Um die Geschichte abzukürzen wird heute das Navigationssystem wieder einmal verwendet. Das lohnt sich. Die Seitenstraßen sind meist völlig schnurgerade und die Strecke verkürzt sich beträchtlich und wir können so auch den sehr verkehrsreichen Highway 1 meiden. Sehr viele Windschutzbepflanzungen unterteilen die riesige Ebene in viele kleine Flächen. Es tauchen wieder größere Viehherden auf. Überall sehen wir Bewässerungsanlagen, die hier das Grundwasser nützen. Bei einem großen Melkstand, bei dem sich gerade hunderte Kühe anstellen um gemolken zu werden, machen wir eine Pause. Eine sehr freundliche Arbeiterin die mit einer Motocrossmaschine die Kühe herzutreibt,  gibt uns bereitwillig Auskunft. Die Farm hat 800 Kühe, die täglich 2 Mal gemolken werden (ab 4:30 und ab 15:00). Der Job ist hart aber relativ gut bezahlt. Nach je 8 Arbeitstagen gibt es abwechselnd 2 bzw. 3 Tage frei. Für das Kilo Milch bekommt der Farmer unglaubliche 7 NZD, das sind mehr als 4 Euro. Wir können das fast nicht glauben, aber der Chef der Farm, der insgesamt 4 Arbeiter beschäftigt, erzählt uns das gleiche. Wir sind überzeugt, dass wir da irgendwas nicht richtig verstanden haben.
Nach dem wir die gar nicht so endlose Ebene hinter uns gelassen haben fahren wir in das Tal des Rakaia Rivers, der stellenweise enorm breit ist und oft sehr viel Wasser führt. Jenseits des Rivers ist das bei den Australiern sehr beliebte Skigebiet des Mt. Hutt. Der Lake Coleridge begrüßt uns im Abendlicht mit einer einzigartig schönen türkisgrünblauen Farbe. Es ist wieder sehr windig und zum Schluss sind wieder ein paar Kilometer Staubstraße zu fahren. Beim Kraftwerk endet die Straße und weit und breit ist hier keine Menschenseele. Der Autor meines Neuseelandführers hat nicht übertrieben, dieser See ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Am nächsten Morgen besuchen wir auch das sehr abgelegene Lake Coleridge Village. Hier wird das, über Druckleitungen vom See kommende Wasser zur Stromproduktion verwendet. Auch ein sehr schönes Aboretum (Park mit alten Bäumen und vielen europäischen Laubhölzern) gibt es hier.

Dienstag, 1. März 2011

Vom Tongariro NP zum Mt. Taranaki

Blog 5 aus Neuseeland – In die Hawke‘s Bay und zum Tongariro National Park
In Gisborne ist an diesem Wochenende ein Riesenfestival. Leider informiere ich mich nicht bei den richtigen Leuten und auch nicht gut genug. Also wir dort ankommen, ist es für diesen Tag bereits gelaufen. Einen weiteren Tag wollen wir nicht bleiben also geht es weiter Richtung Napier. Im völlig flachen, fruchtbaren  Schwemmland hinter Gisborne reiht sich Weingut an Weingut. Wir verpassen zu tanken und Leopold macht sich Gedanken ob der Sprit bis zur nächsten Tankstelle reicht. Ich bin solange Optimist, bis wir junge Leute fragen, wo denn die nächste Tankstelle sei. Da stellt sich heraus, dass die, mit der ich lt. Plan gerechnet hatte geschlossen ist. Sie raten uns zurück nach Gisborne zu fahren, weil das näher ist. Die Kontrolle meiner Kilometeraufzeichnungen ergibt, dass der Sprit auf jeden Fall bis Wairoa reichen müßte. Unser Weg führt uns wieder einmal ziemlich die Hügel hinan durch den Wharerate Forest und dann wieder hinunter nach Wairoa. Die Landschaft ist wunderbar gelbhügelig und wechselt immer wieder. Sie liegt in einem sehr schönen Abendlicht. Da  wüsste sich mein Cheffotograf besseres zu tun, als Autofahren. Wir machen daher viele Fotostopps und jedes längere Gefälle wird zur Sicherheit im Leerlauf gefahren.
Von Wairoa, das im westlichen Drittel der Hawke’s Bay liegt,  geht es wieder in das Binnenland. Die Hawke’s Bay hat zwischen dem Cape Kidnappers bei Napier im Osten und  der Mahia Halbinsel im Westen einen Luftliniendurchmesser von ca. 100 Kilometern. Auf der Straße ist man jedoch fast 200 Kilometer unterwegs. Die Straße führt in so machen Graben hinab, um gleich darauf wieder stark anzusteigen. Aber sie ist Gott sei Dank durchgehend asphaltiert. 20 Kilometer vor Napier treffen wir wieder auf die Küste. An einem sehr langen dunkelgrauen Kiesstrand sitzen hunderte Fischer und hoffen auf ein kräftiges Petri Heil und einen ausgiebigen Snapper für das Mittagessen.
In Napier ist immer am 3. Wochenende im Februar ein 4-tägiges Fest (Geon Art Deco), mit dem man des Erdbebens und Brandes im Jahre 1931 gedenkt. Und dem Wiederaufbau nach diesem Erdbeben ist der ziemlich einheitlich Baustil (Art Deco Fassaden) zu verdanken. Wir kommen also gerade recht, um einen Teil des Geon Art Deco Festivals mitzuerleben. Es gibt eine Auffahrt von ca. 300 liebevoll gepflegten Oldtimern zu sehen. Eine Fliegerstaffel malt Figuren in den Himmel, im Hafen liegt ein uraltes Kriegsschiff vor Anker. Die Menschen sind größtenteils in der Mode der 30er Jahre gekleidet. Am Marine Drive sitzen viele Teilnehmer unter mitgebrachten  Schattenspendern. Die Tische sind sehr schön gedeckt. Viele Köstlichkeiten, edles Porzellan aber auch blitzblank geputztes Silbergeschirr ist zu sehen. Die meist sehr schön gekleideten Menschen flanieren, plaudern und erfreuen sich ihres Daseins. Die Frauen führen ihre Pelzstolen, Capes und Spitzensonnenschirme aus. Viele Herren tragen weiße Hosen und gestreifte Sakkos oder weiße Gamaschen zu schwarzen Hosen. Das Wetter passt auch sehr gut. Nicht zu heiß und trocken. Das Ganze hat unglaubliches Flair. Die vielen schönen Art Deco Fassaden der Gebäude verlieren sich allerdings fast in einer Unzahl von Schildern.
Hastings der Nachbarort hat auch einiges zu bieten. Die Hawke’s Bay Opera hat eine sehr schöne Fassade im „Spanish Mission Stil“ und der moderne Glasanbau harmoniert sehr gut. Die Gehsteige im Zentrum sind überdacht und überall hängen üppig blühende Blumenampeln von der Decke. Hier fahren wir zum Te Mata Peak, von wir einen sehr schönen Blick auf die Hawke’s Bay, das Cape Kidnappers, Hastings und Napier haben. Von hier geht es weiter nach Taupo, das am gleichnamigen See (616 km² groß) liegt. Die Huka Falls und die Ariata Rapids sind hier Attraktion Nummer eins. Bei den Huka Falls zwängt sich der Waikato River durch einen immer enger werdenden Kanal, um dann über die Felskante 40m³ Wasser pro Sekunde hinab zu stürzen, dass die Gischt nur so schäumt. Diese Gegend hat sich in den vergangenen 4 Jahren sehr entwickelt und auch das Straßennetz wurde kräftig ausgebaut. 20 km nördlich von Taupo gibt es ein sehr großes geothermisches Kraftwerk, das aus der Schüttung von über 100 Bohrungen, die bis zu 1.000 Meter tief niedergebracht wurden, gespeist wird.
Heute (22.2.) hat es leider in Christchurch (Südinsel) wieder ein Erdbeben mit vielen Opfern und großen Schäden gegeben. Wir hoffen, dass uns eine derartige Erfahrung erspart bleibt, wenn wir ab 28. Februar die Südinsel bereisen. Wir sind dankbar, dass bisher für uns beide Katastrophen jeglicher Art ausgeblieben sind. Das Wetter ist seit fast sechs Wochen sehr schön und wir genießen unsere Reise sehr.
Unser nächstes Ziel ist der Tongaririo Nationalpark und wir hoffen auf gutes Wanderwetter für den morgigen Tag. Kaum angekommen machen wir noch den Silica Walk, der zu Sinterterrassen in Gelb führt und unterwegs noch mit Golden Rapids (goldgelbe Aluminiumsilikat Ablagerungen im Bachbett), einem schönen Hochmoor und einen weiß schäumend die Felsstufen hinunterstürzenden Bach zu bieten hat. In der Nacht regnet es und das Fallen der schweren Tropfen von den Bäumen auf das Campervandach erschwert, obwohl ziemlich müde, das Einschlafen. Aber schnell dämmert ein schöner Morgen herauf. Sterne blinken und wir werden daher den Sky Walk wandern. Dazu sind zuerst 9 Kilometer top ausgebaute Bergstraße zu bewältigen. Dann geht es 2 Sektionen mit dem Sessellift auf ca. 2.000 Meter Seehöhe. Dann per pedes auf buntem Geröll 2 Stunden ziemlich steil bergan. Auf dem Sattel bläst der Wind kräftig. Das Spiel der Wolken wechselt von Minute zu Minute und wir sehen bis zum türkisblauen Upper  Tama Lake. Der Gipfel des Mt. Ruapeho zeigt sich immer nur sehr kurz. Dafür ist der Mt. Ngauruhoe sehr gut zu sehen. Auch die Anbieter von Kurzrundflügen nutzen das schöne Wetter und lärmen am Himmel. Das in den Lavafeldern verstreute, große Skidorf, direkt bei den ziemlich veralteten Liftanlagen, kann mit einem Quartier aufwarten, das „Arlberg“ heißt. Am Beginn der Bergstraße zum Whakapapa Village steht ein ganz nobles Hotel namens „Chateau“. Der grüne Streifen, der vom Berg aus gut zu sehen ist, ist der Golfplatz der dazugehört. Rechts und links der Straße gibt es eine sehr schöne hochalpine Flora mit Moosen, Flechten, Erika und vielen ganz niedrigen Polstergewächsen, die auf dem Lavagestein eine Lebensgrundlage gefunden haben.
Da am Morgen der Versuch mit meiner Wertkarte zu telefonieren wieder kläglich gescheitert ist, bin ich heute scharf auf einen Internetzugang. In Taumarunui hole ich in der Touri-Info einen Folder, weil wir bis Stratford den „Forgotten World Highway“ fahren werden. Als ich nach dem Internet frage, zählt die Dame am Schalter ihre Tarife auf, um dann zu sagen, dass es zwei Häuser weiter in der Bücherei gratis ist. Also nichts hin und zumindest per Mail bei unseren Lieben melden, die um diese Zeit hoffentlich sanft dem Morgen entgegen schlummern. Es sind schon drei besorgte Anfragen in der Mailbox, die ich kurz beantworte.
Dann starten wir, um noch ein Stück Forgotten World Highway zu fahren. Die Hügel sind saftig grün und bald erreichen wir eine geologisch sehr interessante Formation. Sand- und Mudstone (harte und sandige Schichten) wechseln sich ab und ergeben ein schönes Streifenmuster. Den Straßenbauern hat dieses Stück jedoch viel Kopfzerbrechen bereitet. Es geht den großen Whanganui River entlang, auf dem vor 100 Jahren noch die Dampfer gefahren sind, um die Siedler zu beliefern. Jede Menge Aale, die mit großen Reusen gefangen wurden, soll es hier auch gegeben haben.
Bei Otunui campen wir heute direkt am Fluss ganz wild. Während ich schreibe, erledigt Leopold den Abwasch. So wie es aussieht sind wir nicht die einzigen, denen dieser Platz gefällt.  Zwei junge Männer  packen ihr Kochgeschirr aus und flugs ist der Picknicktisch eine Campingküche mit Gaskocher und Windschutzblech. Die Dämmerung sinkt herab und ich hoffe, dass die Fahrer der Holz- und Viehtransporter auch einmal schlafen müssen und uns eine ungestörte Nachtruhe ermöglichen.
Der Forgotten World Highway, der uns auf der Bootstour in der Bay of Islands von einem Ehepaar aus Hannover  empfohlen wurde, liegt vor uns. Er führt von Taumarunui nach Stratford. 130 Kilometer, davon 16 km Schotterstraße erschließen sehr dünn besiedeltes Gebiet mit typisch neuseeländischer Landschaft. Da und dort eine Farm, statt grüne Hügel in unzählbaren Ausformungen, viele 3-stöckige Schaftransporter auf der Straße. Es ergibt sich die Gelegenheit einen Fahrer zu fragen, wie viel Schafe er geladen hat. Die Antwort übertrifft unsere Schätzung gut 50%. Wir glaubten ca. 600 Schafe auf einem LKW samt Anhänger, lt. Fahrer sind es jedoch 950!
Entlang unserer Fahrtstrecke sind viele historische Plätze durch Informationstafeln erklärt. Eine Seitenstraße (Moki Road) leitet uns zu den Mt. Damper Falls. Gut 20 Minuten wandern wir auf einem sehr schönen Weg zum 2. höchsten Wasserfall der Nordinsel.  Die Fallhöhenangaben divergieren von 74 bis 85 Meter. Auf dem Weg dorthin begegnet uns ein Schaffarmer mit seinem Quad, der rund ein Dutzend Schafe vor sich hertreibt. Die 4 Hunde springen sofort von der Ladefläche und treiben die Schafe zur Seite.
Ein abenteuerlich enger, ca. 180 m langer Tunnel und eine sehr schöne Klamm (gorge) liegen ebenso auf dem Weg wie der Ort Whangamomona, der eine eigene Republik ist. 1989 ausgerufen von seinen Bürgern aus Protest gegen eine Bezirksgrenzänderung und mit einem Pudel als Präsidenten. Das scheint mir ein weiteres Zeugnis dafür zu sein, dass so manche Kiwis einen Hang zu Skurrilität haben. Mehrmals sehen wir heute Kingfisher fliegen (ein Vogel, sehr ähnlich dem seltenen, an der Steyr vorkommenden Eisvogel). Daraus ist zu schließen, dass es im Whanganui River genügend Fische geben muss. Auf einem Lookout bei Tahore plaudern wir mit einem sehr weit gereisten Münchner Ehepaar. Das Gespräch bestärkt mich, dass Namibia, einer meiner unerfüllten Rieseträume, nichts für eine Reise auf eigne Faust ist.
Zu guter Letzt wird das Tal weit, die Straße breiter und weniger kurvig und wir  kommen in Stratford an. Hier gibt es das einzige Glockenspiel in Neuseeland. Um rechtzeitig da zu sein, hätten wir bolzen müssen. Das war uns zu viel Risiko. Wie wir feststellen, hört man vom Glockenspiel wegen des Verkehrslärms sicher nicht sehr viel.  Wir machen einen kurzen Stadtrundgang und fahren dann auf das Taranaki Plateau. Von dort oben haben wir einen sehr schönen Blick auf die riesige Ebene am Fuße dieses, seit mehr als 350 Jahren nicht mehr aktiven Vulkans. Nach dem die Sonne hinter dem Bergrücken verschwunden ist und sich alle Wolken verzogen haben, schaut der Taranaki sehr eindrucksvoll auf uns herab.
So weit weg von jeglicher Siedlung, träume ich von einer ungestörten Nachtruhe. Da habe ich die Rechnung ohne die Hobbyralleyfahrer gemacht, die hier in der Nacht mit quietschenden Reifen die Bergstraße hinaufrasen. Ein sehr schöner Sonnenaufgang und ein orangerot leuchtender Mt. Taranaki sind der Lohn für die erduldete nächtliche Ruhestörung. Sanft rollen wir gleich nach dem Frühstück ca. 18 km talwärts bis Midhurst, um bei Egmont Village wieder eine Bergstraße zum Taranaki Nord Visitor Center zu fahren. Von hier haben wir einen sehr schönen Blick auf die zu Füßen liegende Ebene und auch das Meer ist wieder zu sehen. Wir wandern die Veronika Loop durch einen völlig naturbelassenen Busch, mit vielen sehr alten, mit dickem Moos bewachsenen Bäumen. Da und dort trällert uns ein Vogel sein Lied. Zu sehen bekommen wir nur einen ganz kleinen, ähnlich unserem Kleiber. Der Busch ist so dicht, dass wir die Sänger einfach nicht entdecken können.
Gegen 1 Uhr kommen wir dann in New Plymouth an. Die sehr gepflegte kleine Stadt wurde vor ein paar Jahren zur lebenswertesten Kleinstadt der Welt erkoren. Es lockt eine preisegekrönte Strandpromenade vom Feinsten.  Hier sehen wir die erste Braut auf unserer Reise, die brav das macht, was der Fotograph vorschlägt. Es ist sehr windig und dauert daher nicht lange, bis der weiße Schleier von der Assistentin des Fotographen gerade noch erwischt wird, ehe er auf und davon fliegen kann. Wir kombinieren den Stadtrundgang mit der Strandpromenade und bewundern die geschickten Surfer, die mittels kleinem Gleitschirm, im Surf (schäumende Wellen, die sich aufbauen und sich schnell überschlagend wiedernzusammenfallen) herumkurven. Zum Abschluss spazieren wir noch durch den Pukarapark. Ein schöner Wasserfall, große Teiche, mehrere Gewächshäuser mit Farnen, Orchideen, Begonien, Hisbisken und vielen anderen sehr schön blühenden Gewächsen warten hier auf uns. Von New Plymouth, wo drei kleine Inseln direkt im Hafen zu sehen sind, fahren wir dann noch bis Pungarehu und bis zum Cape Egmont, dem westlichsten Punkt der Nordinsel. Pungarehu ist das Friedensdorf Neuseelands schlechthin. Hier verboten die Maori-Chiefs jeglichen Waffenbesitz und –gebrauch. Dafür wurden sie von den Vertretern der Kolonialmacht, enteignet und noch viel Schlimmeres hat man ihren Frauen angetan. Das Vieh wurde geschlachtet, das Dorf zerstört und erst später kamen wieder Maori zurück um es wieder aufzubauen.
Direkt am Ende der Straße zum Leuchtturm findet sich für uns ein Platz zum overnight Parken. Unser Blick nach Osten erfreut sich am Leuchtturm und in der Ferne an der dicken kleinen Frau des Mt. Taranaki, der nach Westen an der tiefblauen Tasman See. Der Mt. Taranaki hat heute schon seine Schlafhaube aus flockig weichen Wolken auf. Zwei kleine Segelschiffe kreuzen in der Abendsonne durch die Wellen, die stark rauschen. Die Wolkenstimmung wechselt im Minutentakt. Die Sonne schlüpft in den Sack und geizt, was das Abendrot betrifft.
Dafür gibt es am nächsten Tag ein sehr schönes Morgenrot samt Blick auf den Gipfel des Mt. Taranaki. Den Leuchtturm besuchen wir in dieser schönen Morgenstimmung gleich noch einmal. Heute ist es ausnahmsweise einmal sehr bedeckt und eher kalt. Wir fahren durch eine grüne Ebene, mit vielen kleinen Hügeln, ähnlich gestürzten Schafkäsegupferln. Unsere Reise geht weiter nach Opunake. Hier erinnert ein überdimensioniertes Kanu an die Besiedlung des Landes durch die Maori.  In Hawera besteigen wir den Wasserturm um über das Land zu schauen. Während ich mich wieder einmal zu Hause per Mail melde, findet sich Leopold jede Menge Fotomotive in dieser sehr gepflegten Kleinstadt. Unser nächstes Ziel ist Wanganui, das am fast gleichnamigen Fluss (Whanganui) liegt, dort wo er in die Tasman See mündet. Hier besuchen wir das Museum, weil hier Porträts von Maoris zu sehen sind. Der in Prag geborene und nach Neuseeland ausgewanderte Maler Lindauer hat über Auftrag von Sir Buller 20 adelige Maori gemalt.  Auch den Durie Hill Turm besteigen wir noch und schauen auf die schöne große Schleife des Flusses und seine Mündung. Zu guter Letzt findet sich wieder einmal ein Platz direkt am Strand in Koitaita, nordwestlich von Palmerston North, wo sein sehr freundlicher Platzwart kommt, um die 8 NZD zu kassieren. Wir und zwei weitere deutschsprechende Paare sind, die einzigen Gäste in dieser Nacht. Gleich nach dem Frühstück kommt der Platzwart mit dem Gästebuch und ersucht uns um eine Eintragung. Sein wohlgenährter Kater, der wahrscheinlich öfters von den Gästen einen Happen bekommt, schleicht sich ganz keck in unseren Campervan.
Sonntag den 27.2. erreichen wir über Palmerston North die Hauptstadt Wellington, das auch auf einer Falte liegt aber angeblich Erdbeben sichere Bauten im Zentrum aufweist. Das letzte Erdbeben liegt hier allerdings über 300 Jahre zurück. Wir parken overnight in der Nähe des Mt. Viktoria Lookout und morgen Montag, den 28.2. um 7 Uhr setzen wir mit der Fähre auf die Südinsel über.
Heute waren wir Wale beobachten. Wir haben vier gesehen es war einzigartig!

Donnerstag, 17. Februar 2011

Bay of Plenty, das East Cape, Küsten, Buchten, tolle Landschaft

Blog 4 aus Neuseeland
Heute (9.2.) hat sich Mittag wieder eine günstige Gelegenheit ergeben und ich bin meinen 3. Blog aus Neuseeland losgeworden. Wir sind heute auf den Spuren der Goldgräber gewandelt. Im undurch-dringlichen Busch liegt hier so mancher Schacht oder Stollen verborgen, der demjenigen der ihn gegraben hat, hoffentlich auch Glück gebracht hat. Hier im nördlichen und mittleren Teil der Coromandel Halbinsel hat man um die 1860er Gold in den Flüssen gefunden. Daraus wurden die richtigen Schlüsse gezogen und das Land den Maoris abgekauft. Die Goldadern waren zum Teil sehr ergiebig, aber nur wenige wurden davon reich.  Reichlich dichter Busch und sogenannter Sekundärwald (Aufforstungen) nach dem die Kauris alle abgeholzt waren, prägen die Landschaft. Nur wenige, sehr kleine Orte schmiegen sich hier in die eine oder andere Bucht und ein buddhistisches Erholungsdorf gibt es hier auch. Gut 30km Schotterstraße, schmal, kurvig, steil in teilweise nicht sehr gutem Zustand sind bewältig. Nach der nicht einladenden Kennedy Bay (total verschlamptes Maori Dorf) finden wir auf der Passhöhe vor Coromandel Town wieder einen schönen Platz, mit Blick auf beide Küsten (Ost und West). Ein sehr schöner Sonnenuntergang ist die Krönung des Tages.
Frage des Tages (10.2.): Was ist klein, veilchenblau und tut höllisch weh? Richtig, meine kleine Zehe. Es wäre von Vorteil, wenn sie sicher im Auto ist, bevor man die Tür zumacht. Hoffentlich beruhigt sie sich bis morgen wieder, wenn wir auf den Spuren der Goldgräber wandern möchten. Heute war Oberösterreicher Tag. Im beeindruckenden Kauri-Hain von Waiau treffen wir ein Ehepaar aus Ried, deren Sohn mit seiner Familie in Tauranga lebt; in Hahei drei junge Leute aus Ohlsdorf, die seit 3 Tagen im Land sind und bisher anscheinen immer dort unterwegs war, wo es gerade geregnet hat. Wir haben seit 11 Tagen keinen nennenswerten Regen erlebt. In Haihau war die Wanderung zum Felsendom Cathedral Cove geplant. Hier hat sich einiges verändert. Vor 4 Jahren war dies ein Weg durch Wald und Flur. Jetzt führt er über 2 Buchten ist dafür aber wegen Steinschlaggefahr gesperrt. Das entsprechende Hinweisschild – obwohl nicht gerade klein – habe ich leider übersehen. Wir sind wider Willen umgekehrt, haben dann für ein paar Erinnerungsfotos das große Teleobjektiv ausgepackt. In Tairua wird die Angel startklar gemacht und morgen fahren wir erst weiter, wenn wir einen Fisch gefangen haben.
Nun ja Fisch ist es keiner geworden, aber wir lassen 2 Krabben auch gelten. Gegen 10 Uhr geht es weiter nach Opoutere in den Wharekawa Habour. Der Weg zu den Seevögeln führt durch einen mächtigen Föhrenwald. Am sehr schönen Strand sind jedoch nur wenige Oysterscratcher und ein Wrybell zu sehen. Wir plaudern mit einem Fischer, der seine Haken samt Köder mit einem kleinen Torpedo hinausschickt und gerade ganz kräftig am Kurbeln ist um ihn wieder einzuholen. Ein paar respektable Schnapper sind der Lohn für die, wie mir scheint, beträchtliche Mühe. Nach einem gemütlichen Picknick wandern wir im Wentworth Valley noch zu einem sehr schönen Wasserfall. Da auf dem Wentworth Campground für 9 NZD je Person nur ein short-drop-long-fall-Örtchen (Plumpsklo) geboten wird, fahren wir noch bis Whiritoa, wo wir wieder einen schönen Platz in einer Bucht finden. Der grundsätzliche Unterschied zwischen Far Northland und Coromandel Halbinsel besteht in der Beschilderung. Während man in Far Northland durch nicht zu übersehende braune Schilder mit weißer Schrift auf alles Sehenswerte hingewiesen wird, muss man sich in Coromandel als Pfadfinder betätigen, da hier so gut wie keine und wenn ja sehr kleine Schilder den Weg weisen.
In Waihi wird Gold im Tagebau gewonnen. Pro Tonne Material 1 Gramm Gold. Der Krater ist schon 200 Meter tief und die Einstellung wurde angesichts des derzeitigen Goldpreises wieder einmal verschoben. In Mt. Maunganui besteigen wird den erloschenen Vulkan und genießen von oben die Schönheit der Bay of Plenty. Am herrlichen Sandstrand herrscht tolles Treiben und viele Surfer nutzen den Wellengang um gekonnt darauf herum zu surfen. Der Aufstieg war zwar ziemlich schweißtreibend aber entgegen anderslautender Auskunft im Touristenbüro Gott sei Dank möglich. Die Aussicht von hier oben ist wirklich traumhaft. In Pukehina lassen wir den Tag im Seabreeze Park direkt am Strand ausklingen. 
Heute ist Sonntag und Whakatane liegt noch im Schlaf als wir dort auftauchen. Auch die Touristeninformationsstelle hat noch geschlossen. Wir fahren zu Toi‘s Pa, wo einst ein befestigtes Maoridorf war und freuen uns über die sehr schöne Aussicht. Anschließend wandern wir unter dem Gezirpe der Zikaden von Ohope Beach in die traumhafte, ruhige Otaraweirere Bay. Das Wasser ist kristallklar und grün. In der Ferne sehen wir die Dampfwolken der White Island aufsteigen und genießen ein paar Stunden Strandidylle pur. White Island ist der einzige aktive Inselvulkan Neuseelands. Am Nachmittag ist in Ohope Beach kein Parkplatz zu finden, daher wird einfach auf den Rasenflächen unter den Bäumen im Schatten geparkt. Das scheint hier niemand zu stören. Wir schauen wieder den sehr zahlreichen Surfern zu, wie sie mit ihren Boards auf den Wellen dahingleiten. Ohope Beach ist besonders beliebt und familienfreundlich, weil ungefährlich. Wir haben schon andere Strände erlebt, wo ein schmaler Streifen von den safe life guards überwacht wird, weil es sehr gefährliche Strömungen gibt. In Neuseeland wird morgen auch der - allerdings nur sehr moderat beworbene - Valentinstag gefeiert. Auf einem Picknickplatz in Hukuwhai treffen wir drei junge Deutsche, die sich hier den Nachmittag mit Kartenspielen vertreiben. Das Paar ist so groß, dass ich mir die Frage stelle, ob sie für ihren kleinen Campingbus nicht zu lang sind.
Am Valentinstag geht es nun weiter die Bay of Plenty entlang. Hier wechseln sich schöne, felsige Buchten mit malerischer weißer Gischt und lange Sandstrände mit viel Strandgut ab. Die Sonne lacht vom Himmel und die verschiedenen Blautöne des Meeres faszinieren uns. Die Straße verläuft groß teils direkt an der Küste. Nur wenn ein Fluss zu queren oder ein Hügel zu überwinden ist, verlässt sie kurz die Küste. Die Gegend hier ist sehr dünn und hauptsächlich von Maoris besiedelt. Die haben das Ordnung halten nicht erfunden, obwohl ein Teil davon – weil Viele arbeitslos sind – sicher ausreichend Zeit dafür hätte. In mancher Bucht liegt so viel Holz herum, dass es hier im Winter alle gemütlich warm haben könnten, wenn, ja wenn die Häuser etwas solider gebaut wären und wenigstens einen Kamin hätten. Dieser Küstenabschnitt ist Neuseeland pur und der Reiseführer übertreibt nicht, wenn er diese Straße als eine der schönsten Küstenstraßen der Welt bezeichnet. Ein sehr schöner Tag geht zu Ende und Leopold schläft schon ein, während ich noch mit dem Schreiben beschäftigt bin.
Die anglikanische Kirche von Raukokore steht auf einer kleinen Halbinsel in einem gepflegten Garten. Hinter der Kirche ist ein Friedhof auf dem drei Söhne einer Familie (19, 22, 27 Jahre alt) beerdigt sind, die bei einem Autounfall ums Leben kamen. Die Maori lassen die großen Grabsteine ausgiebig beschriften und der Grabschmuck zeigt die Vorlieben des Verstorbenen. Die weiße Kirche leuchtet von weitem, während ihre katholische Schwester hochwassersicher jenseits der Straße steht, aber ungepflegt und verlassen wirkt. An diesem Abend stehen wir dem Besitzer eines kleinen gepflegten  Hauses anscheinend in der Aussicht. Er schickt uns einen tätowierten „Wüdn mit der Maschin“. Dieser erklärt uns, dass es ein Problem ist, wenn wir auf diesem Platz über Nacht stehen bleiben und empfiehlt uns einen Platz 500 Meter weiter, wo wir nicht stören. Also fahren wir weiter und winken den auf der Terrasse des Hauses sitzenden Leuten freundlich zurück.
Der Ourati Beach hält nicht ganz was er verspricht, dafür gefällt es uns in Lottin Point ums so besser. Hier haben wir eine felsige Bucht mit schöner Brandung ganz für uns. Auch frisches Gemüse gibt es hier direkt an der Straße bei einem Aussteiger zu kaufen. Dieser hat sich vor 2 Jahren ein Grundstück ohne Stromanschluss gekauft, sein Haus mit Solarpaneelen bestückt und lebt jetzt von dem was sein Garten bringt.
Das nächste Highlight ist die Fahrt zum East Cape und der größte Pohutukawa-Baum Neuseelands, der im Garten der Schule von Te Araroa. Die Straße führt unmittelbar an der Küste entlang. Das Meer ist hier selbst bei bedecktem Himmel türkisblau. Der Leuchtturm taucht schneller auf als erwartet, weil Gott sei Dank fast die Hälfte der 20 km Stichstraße asphaltiert ist.  Einige anderer Touristen haben sich das gleiche vorgenommen wie wir. So wollen zum Sonnenaufgang zum Leuchtturm wandern. Vier junge Frauen aus Deutschland, ein Franzose und wir nützen den Parkplatz als Campingplatz. Wir genießen wieder einmal den Komfort unseres Motorhomes samt Toilette und Dusche. So wie hier viel junge Leute reisen, nämlich in wirklichen Minivan, das könnten wir uns nicht vorstellen. Es ist extrem windig aber nicht wirklich kalt. Mit einem Bilderbuch-Sonnenaufgang wird es leider nichts, es ist zu bewölkt. Aber eine schöne Morgenstimmung ergibt sich dann doch noch.
Nun geht es weiter Richtung Poverty Bay und Gisborne. Hier verläuft die Straße nicht so küstennah aber die Landschaft ist sehr schön. In Tikitiki besichtigen wir die aussergewöhnliche St. Mary’s Church und treffen hier einen Leobener, der in Graz lebt. Die besonders landestypische, schöne Innenausstattung der Kirche ist ein Beispiel höchster Maori Schnitz- und Flechtkunst. In Anaura Bay machen wir eine abwechslungsreiche Wanderung einen Bachlauf entlang und durch einen sehr schönen Föhrenwald. Die heutige Nacht (16.2.) verbringen wir auf einem DOC-Campground auf dem es nur Wasser gibt und der gleichzeitig eine Viehweide ist. Umgeben von vielen schwarzen, braunen und schwarzweißen Kälbern und Kühen sowie einem großen schwarzen Bullen. Achtung „Tretminen“!
Die Tolaga Bay ist unser nächstes Ziel. Hier gibt es einen mehr als 600 m langen Landungssteg, der heute hauptsächlich den Fischern und Spaziergängern dient und für viele das Fotomotiv Nummer eins ist. Wir wandern in die Cook’s Bay und zum „Whole in the Wall“. Hier soll Captain Cook im Oktober 1769 mit der Endeaver eine Woche vor Anker gelegen haben und seine Vorräte aufgefüllt haben, bevor er weitersegelte. Es ist herrliches Wanderwetter und wir übersehen zuerst das Cook-Denkmal, weil es ein ganz unscheinbarer Betonsockel mit einem Schild ist. Dafür kommen wir noch einmal hoch hinauf und haben einen tollen Überblick. Eine Königskerze, die gerade zu blühen beginnt, erfreut unsere Sinne und auch die blaue Wegwarte war schon öfters zu sehen. Ich finde eine sehr schöne Paua-Muschelhälfte.
Heute Abend (17.2.) sind wir in Gisborne an der Ostküste der Nordinsel gelandet und haben wieder einmal eine Campingsite bezogen. Morgen werden wir die Fähre von Wellington nach Picton buchen um dann gegen Ende Februar auf die Südinsel überzusetzen.
Ein Monat unserer Neuseelandzeit ist leiiiiiiiiiiiiiiiiiider bereits um. Dankbar, dass alles gut gegangen ist, senden wir euch allen herzliche Grüße.
Hertha & Leopold

Dienstag, 8. Februar 2011

Kreuz udn Quer bis Coromandel

3. Blog aus Neuseeland
Wir sind heute vor 14 Tagen in Auckland gelandet und haben schon sehr viel erlebt. Ich weiß, dass schon längst ein paar Fotos fällig wären. Aber irgendwie werden die Tage immer zu kurz. Heute haben wir fast wehmütig Abschied vom Cape Reinga genommen und sind durch Far Northland wieder nach Süden bis Ahipara gefahren. Unterwegs haben wir die White Sands, d.i. eine mit leuchtend weißem Muschelkalk überzogene Nehrung, nördlich der Great Exihibition Bay, an der Ostküste der Halbinsel Apouri, ausgiebig bewundert und mit dem Teleobjektiv digital eingefangen. Leider fanden wir keine Bootsüberfahrtsmöglichkeit. Unser dicker, buchförmiger Reiseführer hat wieder einmal zu viel versprochen. Sehr interessant war der Rundgang in einem Gumdiggers Park, wo die Gewinnung des Kauriharzes eindrucksvoll dargestellt war. Im Souvenirladen hatten wir dann noch ein besonderes Erlebnis. Ein Kingfisher (=Vogel, ähnlich unserem Eisvogel) hat sich verirrt, ist gegen die Fensterscheibe geknallt und benommen liegengeblieben. Nach relativ kurzer Zeit ist er allerdings aus der Hand der Verkäuferin, die ihn aufgehoben hatte, wieder in die Freiheit geflogen. Gegen Abend haben wir dann Ahipara, und damit wieder die Westküste der Nordinsel erreicht.
Am nächsten Morgen fahren wir nach einem ausgiebigen Strandspaziergang in Ahipara durch eine sehr schöne spitzhügelige Landschaft über Broadwood bis nach Puketi-Forest. Hier finden wir direkt am großen Puakta-Fluss einen sehr schönen und wie wir glaubten einsamen Platz. Wir lernen gleich ein neuseeländisches Ehepaar kennen, das mit 51 alles verkauft hat, und nun seit 4 Jahren mit seinem großen Wohnanhänger samt Sattelzugfahrzeug und Quad im Land unterwegs ist. Wir bekommen von ihnen köstlichen Karottenkuchen samt weißer Creme zum Nachtisch und lernen hier auch zwei sehr nette, junge Oberösterreicher (Stefan & Christoph) aus dem Salzkammergut kennen. Und so sitzen nach dem Abendessen 4 Oberösterreicher auf der großen Couch bei Su & Bruce und unterhalten sich sehr gut mit den beiden Kiwis. Bruce schaut nicht von ungefähr wie ein Wikinger aus. Sein Großvater war ein Schwede, seine Großmutter Dänin, er ist in Napier geboren.
Am 3.2. geht es weiter nach Kawakawa. Hier ist die Hundertwassertoilette das absolute Highlight an dem kein geführter Tourist vorbei kann. Jeder Bus der von Auckland zum Cape Reinga fährt – und das sind sehr viele – macht in Kawakawa für seine Fahrgäste eine Gesundheitspause. Hier hat es vergangenen Freitag eine große Überflutung durch den Waiomio Stream gegeben, der im Johnston Park starke Verwüstungen angerichtet hat. Dieser Starkregenfront sind wir Gott sei Dank rechtzeitig nach Norden entwischt. In Waitiki besichtigen wir eine sehr schöne Tropfstein- und Glowworm Höhle. Es ist faszinierend welchen schönen „Sternenhimmel“ die chemische Reaktion einer Insektenlarve in die Höhle zaubert. Den Abend verbringen wir in der Helena Bay, wo wir wieder einen Platz direkt am Strand gefunden haben. Die Zikaden zirpen, die Vögel singen, die Wellen rauschen und ein laues Lüftchen weht. Herz was willst du mehr?
Von Helena Bay fahren wir am nächsten Morgen noch in die Teal Bay. Hier beeindrucken sehr gepflegte Häuser und ein wunderschöner Blick über die Bucht und die vorgelagerten Felsen. Hier wohnen sicher nur betuchte Pakeha (Einwanderer oder deren Nachkommen). Die oberhalb der Helena Bay liegende Art Gallery hat leider noch zu. Wir spazieren im Garten herum und bewundern die ausgestellten Skulpturen, die schönen langstieligen Seerosen und zwei sehr große zottelige schwarze Riesenhunde, die im Schatten dösen. Die Aussicht hier ist grandios. In der Sandy Bay vergnügt sich eine größere Anzahl an Langboardern im Wasser. In der Kowharai Bay schwimmen wir erstmals ein paar Runden, weil es heute ziemlich heiß ist.  Das Wasser ist jedoch relativ erfrischend und so genießen wir die Ruhe, die hier herrscht, im Halbschatten sitzend und lesend. Über Whangarai und Waipu geht es dann noch bis Langs Beach. Hier sind wir am Anfang unserer Reise schon einmal vorbeigekommen als gerade Flut war und ein dicker Schaumteppich den Strand bedeckt hat. Die Tafel mit dem Hinweis auf Wasserverschmutzung steht noch immer da. Die Warnung ist neueren Datums und daher noch aktuell. Also kann ich mich nur wundern, dass sich vor zwei Wochen hier die Kinder im Schaum gewälzt haben.
Von Langs Cove geht es am Samstag, den 5.2. über Wellsford und Pakiri nach Leigh. Hier am Cape Rodney liegt die Goat Island im kristallklaren, tiefblauen Wasser. Wir machen eine Fahrt mit einem Glasbodenboot und bestaunen im Trockenen sitzend die Unterwasserwelt und ihre Bewohner. In der Bucht  sind sehr viele Schnorchler. Auch Taucher sind einmal direkt unter unserem Boot. Das Gebiet hier ist eine Meeresschutzzone. Es darf nicht gefischt werden. Anschließend fahren wir in den Tawharanui Regional Park. Hier gibt es ebenfalls herrliche Buchten zum Baden und schöne sehr gut ausgeschilderte Wanderwege durch verschiedene Vegetationszonen. Im Wald erfreuen uns sehr viele verschiedene, zum Teil hier wieder angesiedelte, Vögel mit ihrem schönen Gesang. Die Zikaden zirpen wieder sehr laut. Wir dürfen mit Erlaubnis des Park Rangers, direkt am kleinen Parkplatz bei der Lagune overnight stehen bleiben und genießen hier die schöne Abendstimmung in vollen Zügen.
Der Sonntag beginnt bedeckt. Also ideales Wanderwetter. Wir kombinieren den North, den South, den Fishermens und den Ecology Trail zu einer perfekten Runde. Gegen Mittag reißt es wieder ganz auf. Auf dem Weg durch den Bush singen uns heute die Vögel einen sehr melodischen Frühschoppen. Auch eine der großen Wildtuben (pigeon) präsentiert sich in ihrem schillernden Gefieder. Zwei Fantails posieren direkt vor uns im Geäst. Sie zu fotografieren ist aber faktisch unmöglich. Sie bleiben keine Sekunde still sitzen. Am Nachmittag geht unsere Reise weiter. Der Walkway zum Mt. Auckland bei Glorit erweist sich als nicht lohnenswert. Er würde durch völlige Kahlschläge führen. Das Gebiet ist wieder aufgeforstet. Die Wunden, die die „Holzernte“ hier der Natur zugefügt hat, werden noch jahrelang zu sehen sein. Es liegt auch noch sehr viel Abfallholz. Österreicher würden daraus Hunderte Raummeter Hackschnitzel produzieren. Hier verrottet es. Im Thermalbadeort Parakai ist Schluss für heute. Bei Woolworth haben wir  uns orientalisch mariniertes Lammfleisch gekauft. Mit einer typisch neuseeländischen Kumara (violettschalige Süßkartoffel) und gemischtem grünen Salat ergibt das ein perfektes Abendessen.
In Muriwai, an der Westküste, wandern wir einen kurzen Weg zu einer Gannet-Kolonie. Hier brüten alljährlich sehr hübsche Gannets (Basstölpel) ihr Junges aus.  Zuerst nackt und blind, wächst es in 5 Wochen zu einem Daunenknäuel heran.  In den nächsten 10 Wochen  bekommt es ein schwarzweiß gepunktetes Federkleid, das schließlich ganz weiß wird. Die Flügelspitzen bleiben schwarz und das Häubchen auf dem Kopf wird honiggelb. Sein Gesicht hat ganz fein gezeichnete Linien und selbst die Füße mit den Schwimmhäuten sind eine Augenweide. Man kann ihnen stundenlang zusehen, wie sie in der Sonne dösen, ihr Gefieder putzen, die ankommenden Eltern um Futter anbetteln, erst Flug-übungen machen oder auch etwas mit dem Nachbarn zanken. In den Whaitakere Ranges wandern wir zum Fairy Wasserfall. Der Weg führt durch einen sehr schönen naturbelassenen Wald, in dem wir auch einige Kauribäume sehen. Am späteren Nachmittag besuchen wir noch den Strand von Karekare. Die Straße dorthin ist abenteuerlich steil und schmal aber Gott sei Dank asphaltiert. Der schwarze Sand am Strand ist sehr heiß. Da heißt es ganz schnell laufen. Es drohen Brandblasen auf den Fußsohlen. Ein einzelner spitzer Felsen steht in der Brandung. Leider darf man hier nicht overnight stehenbleiben.  Wir fahren daher am Höhenrücken der Whaitakere Ranges noch bis Titirangi, den westlichsten Vorort von Auckland.
Unser Ziel heißt heute Coromandel Halbinsel. Wir verlassen den dicht besiedelten und dennoch sehr grünen Großraum Auckland Richtung Südwesten. Die Ostküste des Firth of Thames nach Süden entlangfahrend, durch die Hauraki Plains mit dem breiten trägen Waihou-River und besuchen wir in Miranda das Shore Bird Sanctuary. Direkt am blendendweißen, mit Muschelkalk bedeckten Strand kann man hier verschiedene Zugvögel beobachten, die jeden Sommer über 12.000km aus Alaska und Sibirien (ihren Brutgebieten) hierher fliegen. Wir mir scheint mutieren wir hier auch zu Zugvögeln, die immer wieder weiterziehen. Wir brüten jedoch hoffentlich nur Reisepläne aus. In der Goldgräber-stadt Thames haben 1867 bereits 18.000 Menschen gelebt. Jetzt sind es nur mehr 7.000. Die sehr ergiebigen Goldadern sind alle ausgeschürft nur mehr in Waihi gibt es Goldgewinnung im Tagebau. Beim derzeitigen Goldpreis wurden wieder Überlegungen angestellt, den Goldabbau wieder aufzunehmen. Es hat sich jedoch sofort eine Bürgerinitiative gebildet, die das unbedingt verhindern will.
Die Coromandel Halbinsel wird in den nächsten Tagen unsere Heimat sein. Wir haben heute eine Angel gekauft. Bitte Daumen halten, dass wir auch was fangen. Eine nette Begebenheit von einem Lookout Parkplatz gibt es ebenfalls zu berichten. Wir trafen ein Kiwi-Paar samt Besuch aus England, die reisen mit ihrem gelben Papagei, namens Bobby. Er darf während der Kaffeepause auf die Schulter seiner Besitzerin um Bussi zu geben.

Montag, 31. Januar 2011

Far Northland and Cape Reinga

2. Blog aus Neuseeland

Wir haben gestern die 6-stündige wunderschöne Bootstour in der Bay of Island gemacht. Diesmal ohne Ubootfahrt dafür mit Delphinen in der Bucht. Es waren ca. 30 Stück in kleinen Gruppen unterwegs. Sie sprangen gut gelaunt immer wieder aus dem Wasser um sich in der Luft zu drehen und auch ihren weißen Bauch herzuzeigen. Es waren Mütter mit Babies. Dadurch entfiel für die Passagiere, die das Schwimmen mit Delphinen gebucht hatten, das Schwimmen mit diesen hochintelligenten Meeressäugetieren. Diese Bootstour war wieder ein einmaliges Erlebnis. Auch wenn die Fahrt durch das Hole in the Rock wegen des hohen Wellenganges entfallen musste und auch wenn mir im Magen wieder ziemlich flau wurde. Den Abend dieses schönen Tages verbringen wir auf einem Outlook oberhalb der Matauri Bay. Auf einem Hügel seitlich der Bucht steht das Denkmal für das vom französischen Geheimdienst versengte Schiff von Greenpeace. Die Schiffsschraube der Rainbow Warrior ist in  schöne Steinbögen integriert. Über Whangaroa  und Mangonui fahren wir durch eine sehr schöne Landschaft bis Hihi Beach, einer aufstrebenden Feriensiedlung gut betuchter Neuseeländer. Ein Päuschen unter einem schattenspenden Pointree wird zum vorbereitenden Blogschreiben verwendet. Direkt am sehr schönen Sandstrand von Tokerau in der Doubtless Bay lassen wir den Tag ausklingen. Die sehr guten Lammsteaks samt baked beans und dazu Tomatensalat sind ein Genuss. Ein Spaziergang  in der Strandabendstimmung und Muschelsammeln und schon geht die Sonne unter und entlässt einen wunderschönen Tag in die Nacht.
Spruch des Tages, gelesen am Heck eines Autos: The secret of a lucky marriage remain a secret! Wir sind sehr dankbar, dass wir diesen Urlaub gemeinsam genießen können.
Auch das auf T-Shirts gesehene Motto: „ No shoes, no shirts, no worries!“ gefällt uns. In den heute gesehenen Buchten ließe es sich sehr gut leben. Wenige bis keine Touristen, sehr angenehme Wasser- und Lufttemperaturen, lange Schönwetterperioden. Nur allzu viele For-sale-Schilder sieht man hier nicht. Diese Orte sind überwiegend mit Nachkommen der Maori besiedelt.
Den Neuseeländern wird ein Hang zur Skurrilität nachgesagt. Das hat sich da und dort schon bestätigt. So verzieren manche ihren Zaun mit unzähligen Radkappen andere wiederum mit alten rostigen Fahrrädern in allen Größen oder mit ausgedienten  Gliding-Boards.
Die Nacht vom Donnerstag auf Freitag bringt dann eine unliebsame Überraschung. In strenger Auslegung einer Tafel, dürften wir an diesem Platz nicht overnight stehen. Bei großzügiger Auslegung stehen wir nicht wirklich in dem Bereich für den das Verbotsschild unserer Meinung nach gilt und so werden wir im Fall des Falles, dass jemand kommt und uns von da vertreiben will argumentieren.  Wir sind hochzufrieden über den sehr schönen Tag und kaum gut eingeschlafen, als wir durch lautes Trommeln gegen unsere Wohnwagentür und Gejohle aus dem Schlaf gerissenen werden. Bevor wir so richtig realisieren was los ist, verstummt der Krawall wieder. In die Stille hinein hören wir ein Auto losbrausen. Da hat sich offenbar irgendjemand einen schlechten Scherz erlaubt und wollte uns erschrecken. Dieser Adrenalinschub musste natürlich erst verdaut werden und der Rest der Nacht war dann etwas zäh, weil mir doch viel durch den Kopf ging. Der Morgen brachte die nächste, nicht gerade gute  Überraschung. Da Tokerau auf der Karikari Halbinsel ebenso wie die gesamte Doubtless Bay etwas dichter besiedelt ist, haben wir ausnahmsweise mal Radioempfang. Ich höre die Wettervorhersage und traue meinen Ohren nicht. Es wird Starkregen angekündigt und Hurrican Warnung  gegeben. Da ich mir nicht sicher bin ob ich das richtig verstanden habe beschließe ich, Leopold vorerst nicht zu beunruhigen und bei einer der nächsten Touristeninformationsstellen  nachzufragen.  Als wir nach einem gemütlichen Frühstück unsere Zelte abbrechen geht ein Paar mit seinem Hund an den Strand. Sie kommen auf uns zu, berichten von dem kommenden Schlechtwetter und raten uns dringend auf unserem Weg zum Cape Reinga ganz besonders vorsichtig zu sein bzw. eventuell wieder in die Doubtless Bay zurückzukehren.  Womit sich das geplante Nachfragen auch erledigt hat.
An dieser Bucht soll Captain Cook 1769 vorbei gesegelt sein. Die in der Bucht vor Anker liegende „St. Jean Baptiste“ des Franzosen Francoise de Surville, der mit den Maori sehr gut zurechtkam, entging Cook, der in sein Logbuch folgenden Eintrag geschrieben hat: Doubtless a bay!
Wir beschließen heute nicht zum Cape Reinga zu fahren, sondern in Pukenui einen Campingplatz anzufahren, der uns in geschützter Lage zu sein scheint, und dort die Schlechtwetterfront abzuwarten. Laut Auskunft der Empfangsdame im Office, sollte am Samstag in der Früh das ärgste überstanden sein. Also bleibt heute Zeit für alles,  was in den letzten Tagen nicht erledigt wurde. Einkaufen, in einem Souvenirshop stöbern, Ansichtskartenschreiben, Wäsche waschen und im Trockner trocknen, Foto durchschauen, Reisetagebuch schreiben. Auch einen Internetzugang organisieren wir uns. Dieser funktioniert auf allenTop 10 Holyday Park Campingplätzen. Also werden wir morgen bald in der Früh versuchen mittels Skype mit unseren Lieben zu Hause Kontakt aufzunehmen. Anschließend möchten wir unsere Reise ganz in den Norden der Nordinsel zum Cape Reinga fortsetzen.
Der Anruf zu Hause ist geglückt, alles paletti. Auch Leopold Vaters geht es wieder besser.  Die Regenfront ist durch gezogen, also auf nach Norden.  Leopold holt sich vorher noch schnell eine zweite Morgendusche. Als er Wasser nachtanken will spritzt er sich unabsichtlich von oben bis unten nass. Ich finde vor allem seinen Gesichtsausdruck dabei sehr lustig und er liebt das kalte Wasser. Also ist das Ganze nicht wirklich ein Problem auch genügend Kleidung ist vorhanden.
Stopp bei den Riesensanddünen von Te Paki. Dort sind schon die ersten Sandünengleiter unterwegs. Der Fluss, der auch die Zufahrt zum 90-Mile Beach ist, führt ziemlich viel Wasser. Wir sehen junge Aale in verschiedenen Größen. Auf einer Sandbank im seichten Wasser strandet ein ziemlich großer Fisch, den ich nur aufzuheben brauche. Ein richtiger dicker Fang ohne Angel. Wir erkundigen uns bei dem Einheimischen, der hier die Glideboards vermietet, ob es sich um einen genießbaren Fisch handelt und ob wir ihn behalten dürfen. Er bejaht beides und schon machen wir uns ans Filetieren und haben jetzt 2 sehr große, schöne Wanghai-Filets in unserem Gefrierfach. Danach besteigen wir noch die Sanddünen und erfreuen uns an den Sandmalereien, die der kräftig blasende Wind kreiert. Ein Fischfilet  verspeisen wir gleich zum Abendessen, bevor wir uns zum Sonnenuntergang am Cape Reinga auf den Weg machen. Das Cape ist ein ganz besonderer Platz. Die Maori glaubten, dass hier die Seelen der Verstorbenen ein letztes Mal aus einer Quelle, die hier entspringt trinken. Dann gleiten sie in die Unterwelt (reinga)um bei den Three King Islands noch einmal auf den Berg zu steigen um zurück zu blicken und dann endgültig in die ewige Heimat Hawaiki zu gleiten.  Auf einem kleinen Felsvorsprung krallt sich ein uralter Kahikabaum fest und man sieht, dass vor dem Cape 2 Meeressströmungen zusammenkommen. Das ergibt eine sehr interessante Dünung und der Ausblick auf die Südsee, das tiefblaue Wasser und die schönen Buchten sind einmalig. Das Lighthouse ist sehr gepflegt und eine Ausflug hierher lohnt sich auf jeden Fall.
30.1.2011, heute feiern wir Leopolds runden Geburtstag. Erfreut sich über die von mir mitgebrachten Glückwunschbillets der Enkelkinder sehr. Auch einen kleinen Geburtstagskuchen, mit einem 60er verziert, gibt es. Schön braun, von fast 14 Tagen Rundreise, sieht Leopold eher aus wie 50! Ich freue mich für ihn, dass es ihm so gut gelingt, ganz auf Freizeit umzuschalten.
Am Vormittag wandern wir los, um diesmal zu Fuß zum Cape Reinga zu kommen. Nach der Tapotupotu Bucht, in der unser Motorhome auf dem Campingplatz steht,  geht es gleich einmal sehr steil bergan. Auf Spitze des Hügels angelangt sehen wir schon den Leuchtturm. Der Weg dorthin ist allerdings noch ziemlich weit. Es geht wieder steil bergab in die Sandy Bucht und dann wieder aufwärts. Der Ausblick auf die Brandung, die felsigen Küste und das Meer sind. Heute ist Sonntag und es sind sehr viele Leute zum Leuchtturm unterwegs. Wir wandern noch ein Stück Richtung Wahere Beach. Auf dem Rückweg finde ich in der Sandy Bay einige ganz schöne Paua-Muschel-Bruchstücke. Als  ich sie mit Wasser von Sand befreien will, macht es einen ordentlichen Ratsch und meine Hose ist nicht mehr zu gebrauchen. Gut, dass hier so wenige Leute unterwegs sind.  Leopolds Geburtstag beschließen wird mit einem gepflegten Lammsteak und einem Glas Merlot aus Neuseeland. Wer hier billigen Wein kaufen will, muss einen aus Südafrika oder Australien kaufen. Es scheint überall das gleiche zu sein. Bei den Transportkosten ist man meilenweit entfernt von Kostenwahrheit.
Es geht uns sehr gut wir grüßen euch alle recht herzlich. Allfällige Rechtschreibfehler dürft ihr euch behalten. Danke für euer Verständnis!

Dienstag, 25. Januar 2011

Eine Woche ist im Flug vergangen!


1.       Bericht aus Neuseeland.
Der Flug war etwas zäh, aber pünktlich auf die Minute landen wir im nebeligen und verregneten Auckland. Es ist sehr warm. Wir fassen unser Motorhome aus und von Schweizern, die ihres gerade zurückgeben hören wir, dass es in den letzten Wochen sehr  oft geregnet hat. Nach sehr ausführlicher Erklärung kann es gegen 5 p.m. endlich losgehen.
Wir fahren Richtung Auckland City und spielen mit bei:  Hurra, wir sind der Stau! Am 1. Morgen geht es gleich auf den One Tree Hill, der einen schönen Blick auf Auckland bietet.
Devonport ist dann unser Standort für 2 Nächte. Von dort setzen wir der Fähre auf die Inseln Rangitoto und Waiheke über. Auf Rangitoto steigen wir bis zum Kraterrand auf und umrunden ihn auch. Eine große Aussichtsplattform liegt auf 260m Seehöhe. Es ist ziemlich heißt, die erstarrte Lava strahlt wie ein Kachelofen. Auch einige wenige rote Blüten des Pohutukawa-Baumes sind noch zu sehen. Beim Abstieg bringt mich ein unter der linken Sohle rollendes  Lawabröckerl fast aus dem Gleichgewicht. Ich gehe mit dem rechten Fuß ganz abrupt ins Knie und ein höllischer Schmerz fährt mir durchs Knie. Aber Gott sei Dank passiert mir nicht wirklich etwas. Ab nun wird noch vorsichtiger gegangen. Auch Leopold hat seine Schrecksekunde, als er sich aus dem Unterholz kommend einen dürren Ast unter der Brille durch, ins Auge sticht. Aber auch das geht glimpflich aus. Nach dem kleine trockene Rindenreste entfernt sind legt sich auch das Kratzen in Leopolds Auge wieder. Wir hoffen, dass solche Kleinigkeiten unsere Aufmerksamkeit steigern und Katastrophen ausbleiben. Da war wohl schon das Schutzengerl am Werk, das uns Silvia mitgegeben hat.

Dem schlechten Wetter an der Ostküste entfliehend, haben wir an die Westküste gewechselt. Im völlig verregneten Dargarville ergibt sich ein netter Plausch mit einem Australier, der Yachten baut und dessen Tipp zur Muschelzubereitung bald einmal getestet werden wird. Stuart Hearn ist sein Name und er hat einmal 2 Jahre in Ybbs an der Donau gelebt.
Weiter geht es nach Norden, zu den mehr als 2.000 Jahre alten Kauri Riesen Tane Mahuta und Tane Naghere. Voller Ehrfurcht stehen wir vor den riesigen Bäumen, deren Stamm jeweils mehr als 200 m³ Rauminhalt hat. Die Küste im Bereich der Einmündung des Hokianga Habour begeistert uns wieder und eine kurze Unterhaltung mit einem Neuseeländer, dessen Großvater ein Münchner war, gipfelt in der Aussage des Kiwi, dass österreichische Schokolade die beste der Welt ist.
Wir fahren wieder an die Östküste, es ist herrliches Reisewetter. Hügel um Hügel, Farm um Farm, Viehherde um Viehherde ziehen vorbei. Bei Horeke wandern wir durch ein Tal, in dem riesige Basaltfelsen kunterbunt übereinander liegen, deren Oberflächen karstähnliche Verwitterungserscheinungen aufweisen.  Der Fluss ist dunkelbraun, hat aber angeblich Trinkwasserqualität, was wir uns nur schwer vorstellen können. In Kerkeri und in Waitangi wurde neuseeländische Geschichte geschrieben. In Rewas Village treffen wir eine oberösterreichische Reisegruppe, der auch ehemalige EAG-Mitarbeiter angehören.
Wie die irrtümlich auf die Zahnbürste gedrückte Fusscreme „Gehwohl blau“ schmeckt, darüber weiß Leopold jetzt zu berichten. Es ist nicht so einfach sich auf engem Raum so zu organisieren,dass alles glatt geht.
Heute haben wir eine wunderschoene Bootstour in der Bay of Islands gemacht. Einfach ein highlight. herrliches Wetter sehr gut gelaunte Delphine in der  Bucht, aber wegen zu hohem Wellengang keine durchfahrt durch das "hole in the rock"! Liebe Gruesse an alle, die unseren Blog lesen. Wir fuehlen uns hier wie zu Hause!!! :-)

Sonntag, 9. Januar 2011

Reisefieberkurve im Steigen

Heute in einer Woche  (um diese Zeit) warten wir in München auf unseren hoffentlich pünktlichen, nicht überbuchten Flieger nach Neuseeland. Die wesentlichsten Reisevorbereitungen sind so gut wie abgeschlossen. Auch wenn wir den Winter derzeit in vollen Zügen genießen und täglich Langlaufen gehen  - wider Erwarten hält meine Privatloipe noch immer - freuen wir uns schon sehr auf das Wiedersehen mit dem einzigartig schönen Neuseeland.